Traumafolgestörungen 

Warum wirken traumatische Erlebnisse im Körper, in der Psyche, in der Seele ein ganzes Leben lang weiter ...

Als psychische Traumata werden Ereignisse bezeichnet, die durch Naturkatastrophen, Gewalt, Kriegserlebnisse, Unfälle, aber auch schwere Krankheiten, plötzliche Verlusterlebnisse, usw. entstehen. Aber Traumata, die in ganz früher Kindheit durch emotionale Vernachlässigung, schwere medizinische Eingriffe, Krankenhausaufenthalte, körperliche Misshandlungen, Ungewollt-sein, Abgelehnt-sein, das falsche Geschlecht-haben und auch schwierige Geburten, Adoption und starke Stresserlebnisse während der Entwicklungszeit im Mutterleib, entstanden, sind für unser weiteres Leben weitaus gravierender. 

Ganz frühe Traumatisierungen, die über einen längenren Zeitraum bestehen, haben einen massiven Einfluss auf unsere weitere psychische, körperliche und geistige Entwicklung. Traumata sind Ereignisse, die in ihrer Intensität unsere Fähigkeit, sie zu bewältigen, überfordern. 

Als kleine Kinder sind wir nicht in der Lage und unsere Widerstandskraft reicht hier noch nicht aus. 

Als kleine Kinder brauchen wir Sicherheit. Und Bindung an unsere Mutter gibt uns die notwendige Sicherheit, um wachsen und uns entwickeln zu können. Fehlt diese Sicherheit, löst das im kindlichen System massiven Stress aus, der nicht bewältigt werden kann, da die nervlichen und psychischen Systeme noch nicht ausgebildet sind.

Häufig oder in den meisten Fällen können wir uns an frühe traumatische Ereignisse überhaupt nicht erinnern und leiden trotzdem an den Folgen. Sie werden von uns als lebensbedrohlich erlebt, lösen Todesangst aus und unser Überlebenswille bringt uns dazu, den frühen Schmerz von unserem fühlenden Bewusstsein abzuspalten. 

Wenn Kinder sich an schlimme Lebensumstände und an die Täter anpassen müssen, wird dies für sie zur Normalität. Es muss sich, seine Bedürfnisse, Wünsche und seinen Selbstausdruck komplett wegmachen. Gefühle werden unterdrückt und abspalten. Sich tot stellen, dissoziieren, nichts fühlen sind Möglichkeiten, um in einem traumatisierenden Umfeld überleben zu können. 

Ein Kind entwickelt verschiedene Überlebensstrategien, auch die Identifikation mit den Tätern und verlässt sich selbst. Es passt sich an, kann nicht ICH sein. 

Überlebensenergie wird mobilisiert, um den Stress und das Allein-sein auszuhalten, damit zurechtzukommen. Kinder schotten sich dann ab, koppeln sich von der Welt ab, um nichts mehr fühlen zu müssen. Fühlen wird bedrohlich und all das wird zur Normalität. Und keiner sieht das Kind in seiner Not, es ist komplett alleine. Oft erfolgt zusätzlich noch Bestrafung für dieses Verhalten, es wird misshandelt, isoliert, ignoriert. Überlebensstrategien werden so zu unserem wahren ICH. Zudem wirken sich nicht integrierte und bearbeitete Traumata auf alle unsere Beziehungen aus, auf unsere Liebesbeziehung, Freundschaften, Kollegen, etc. Ein nicht integriertes Trauma - also wenn die Abspaltung nicht aufgehoben wird - bleibt im Menschen existent. Der Satz: Trauma ist immer jetzt, bekommt so seine Gültigkeit. 

Beziehungen - zu uns selbst und zu andern - sind immer gefärbt von unserer Vergangenheit. 

Echte Nähe und Vertrauen können nicht entstehen und gelebt werden. Aber es ist immerzu eine große Sehnsucht nach Nähe und Geborgenheit da, die sich für Betroffene anfühlt wie etwas Unerreichbares. Und in vielen Fällen bauen sich Liebesillusionen auf, die an der realen Wirklichkeit, der gelebten Wahrheit, vorbei gehen. Viel Einsamkeit spielt im weiteren Leben eine Rolle, da vertrauensvolle Beziehungen nicht entstehen können. 

So werden Wahrnehmungs- und Verhaltensweisen eingeschränkt, psychische und physische Energieressourcen aufgebraucht. Und es entwickeln sich langfristige körperliche und psychische Symptome wie starke körperliche Verspannung, Herzprobleme, Bluthochdruck, Unruhe, Schlaflosigkeit, Erschöpfungszustände, schnelle Ermüdung, usw., die in verschiedenste chronische Krankheiten - wie auch Krebs - übergehen können. 

Wenn das erfahrene Opfersein in der Kindheit nicht bearbeitet wird, kann sich dies in einer Überlebensstrategie der Opferhaltung manifestieren, die das gesamte Leben bestimmt. 

Unsere Überlebensstrategien bringen uns z.B. in Krisenzeiten immer wieder in neue psychische Spaltungen, weil wir es “gelernt” haben, in schwierigen Situation zu “spalten” und zu dissoziieren. Auf diese Weise schützen wir die Täter, werden möglicherweise selbst zu Tätern und verleugnen so unser eigenes Opfer-sein. Auch wenn wir traumatisierte Eltern hatten, haben, mussten wir uns psychisch massiv spalten. Das ist ein Notfallmechanismus, den wir nicht direkt beeinflussen können, es geschieht, um unser Überleben zu sichern. So, wie auch unsere Eltern durch Spaltungen ihr Überleben gesichert haben. 

Psychische Spaltungen und symbiotische Verstrickungen, aus Trauma entstanden, können nicht ohne therapeutische Hilfe integriert und geheilt werden! Unsere Überlebensstrategien werden das verhindern, um nicht mit der Not, der Verzweiflung, dem Schmerz, der Todesangst von damals in Berührung kommen zu müssen! In der Traumatherapie der IoPT stehen die traumatischen Ereignisse in einer Familie im Mittelpunkt und welchen Einfluss sie auf unsere Entwicklung hatten. Es geht nicht um Schuld, sondern um Verantwortung. 

Wenn wir die Verantwortung bei den Tätern lassen, können wir für unser eigenes Handeln die Verantwortung übernehmen. Gelingt uns das, werden unsere psychischen Spaltungen und symbiotischen Verstrickungen sichtbar und fühlbar. Wir sind nicht mehr nur im Überleben, sondern können uns in unserer ganzen Lebendigkeit und mit allen unseren Gefühlen wahrnehmen."  Birgit Assel

Wir müssen nicht mehr uns gegenüber, oder anderen Menschen gegenüber in einer Täter- oder Opferhaltung verharren. Wir übernehmen Verantwortung, dort, wo wir selbst zu Tätern wurden und sind im Mitgefühl mit unserem eigenen Opfer-sein.

© Ruth Sofia Dirkes 2022

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