Psychotrauma-Theorie der IoPT
Mut steht am Anfang unseres Handelns und Glück am Ende.
Demokrit (459-370 v.Chr.)
Lm gemeinsamen therapeutischen Entwicklungs-Prozeß begegnen wir sukzessive und abwechselnd den verschiedenen Anteilen und Blockierungen in uns, die die IoPT unterscheidet in Trauma-Anteile, Überlebensanteile und gesunde Anteile.
Mit Trauma ist hier das Entwicklungstrauma in früher Kindheit oder sogar noch davor gemeint. Trauma-Anteile zeigen sich als Gefühle von Ohnmacht, Hilflosigkeit, Angst und Schmerz, die in der ursprünglichen Situation nicht zu bewältigen waren und daher abgespalten werden mussten. Wir erleben sie in Wutausbrüchen, Weinkrämpfen, Scham- und Schuldgefühlen, Panikattacken, ebenso wie in vielen körperlichern Krankheiten und Symptomen. Eine Psyche, die traumatisiert ist, verliert die Fähigkeit, zwischen gestern und heute zu unterscheiden. Es heißt daher, Trauma ist immer jetzt !! Wir leben daher heute sowohl mit unseren Bewältigungsstrategien als auch mit den noch immer vorhandenen, oft entsetzlichen Schmerzen.
Wenn wir diesen Stress, der durch all das permanent aktiv ist, nicht verarbeiten konnten, nicht verarbeitet haben, wird dieser immer wieder reaktiviert, getriggert durch aktuelleThemen, die die alten Emotionen wecken. Wir fühlen uns wieder hilflos und ausgeliefert und sind unfähig, adäquat zu handeln.
Eine traumatisierte Psyche ist nicht in der Lage, alten & aktuellen Stress zu verarbeiten und sich selbst zu regulieren. Auf diese ganz frühen Traumata konnten wir nicht durch Flucht oder Handeln reagieren oder das Geschehen stoppen. Es strömten alle Verletzungen und Mangelerfahrungen ungefiltert in uns hinein und wir konnten nur durch Erstarren oder alle-Gefühle-abstellen re-agieren. Diese Erfahrungen haben die Entwicklung unseres Nervensystems, unseres Stress-Hormon-Systems und Immunsystems maßgeblich beeinflusst - und daraus erwuchs unser Blick auf die Welt und die Menschen ...
Unsere Überlebensanteile, die wir zum Überleben erschufen in den gefahrvollen Situationen und die Abspaltung von den unaushaltbar schmerzhaften Gefühlen, haben uns das Leben gerettet. Aber was damals lebensnot-wendig war, ist im Heute nicht mehr brauchbar und verhindern ein lebendiges Da-Sein. Unsere Überlebensstrategien "wissen" nicht, dass die Gefahr oder Bedrohung real vorbei ist. Daher unternehmen sie alles, um die Traumata, d.h. die schmerzhaften Gefühle zu den Erfahrungen weiter im Unbewußten zu lassen. Das geht mit Verdrängung, kontrollierendem Verhalten, Verleugnung, Sucht, stellvertretender Unterdrückung anderer, sich Illusionen machen, Krankheiten, etc. ...
Wir sind ausgestattet mit einem starken Überlebenswillen, dem wir sogar unser Wohlbefinden unterordnen. Daher spalten die schmerzhalten Gefühle weiter ab. Wir bleiben gespalten und in der Vergangenheit stecken, auch wenn die Gefahr längst vorüber ist.
Wir Menschen haben trotz und neben den traumabedingten Abspaltungen ebenso gesunde Anteile - sowohl in unserem Körper als auch in unserer psychischen Struktur. Wir haben einen unangetasteten Ich-Kern, der einen Willen, eine Sehnsucht nach Wahrheit und Wirklichkeit enthält. Wir wünschen uns gesunde Beziehungen, Authentizität, Autonomie, Vertrauen in das Leben. Wir haben Selbst-Bewußtsein und vieles mehr. Wir haben resiliente Ressourcen in bestimmten Bereichen - und haben überlebt. Und somit können wir auch lernen, mit Hilfe unserer "gesunden Anteile" unsere gefühlt unaushaltbaren Schmerzen wieder zu uns nehmen, integrieren. Wir können unsere dysfunktionalen inneren Konflikte auflösen und innerlich bewußter werden mit uns selbst.
Um diese Spaltungen , Blockierungen und Konflikte aufrecht zu erhalten, braucht unser Körper viel Energie. Oft steht daher für die notwendigen Stoffwechselprozesse im Körper nicht genug zur Verfügung, was unser System überfordert. Und so folgen dann meist körperliche und psychische Traumafolgestörungen, die uns weiter schwächen ...
Es gibt einen Weg aus diesem Teufelskreis - Selbstbegegnung ist in jedem Lebensalter lohnenswert.